Irish-Folker „Slemish“ gewannen die Herzen im Sturm

Die Irish-Folk-Gruppe Slemish eroberte auch bei ihrem zweiten Gastspiel im Chärnehus Einsiedeln am vergangenen Samstag die Herzen des zahlreich erschienenen Publikums im Sturm. Ein Abend voll quirlig-mitreissender Rhythmen und etlicher Kostproben des legendären irischen Humors. Das vielfarbige Konzert vermochte sowohl mit hervorragender Musik als auch den eingestreuten, bedeutungsvollen Geschichten zu berühren.

Eine farbenreiche Mischung irischer Musik boten die sechs Bühnenmusiker und zwei Techniker auf der Bühne im Chärnehus.

sar. Über der Bühne im atmosphärisch beleuchteten Chärnehus-Saal erscheinen schwarz-weisse Fotos mit sanften Übergängen auf der Leinwand. Webmaschinen, Arbeiter, Fabrikhallen. Gitarre, Mandoline, irische Flöte, Bass, Klavier und Bodhrán lassen die irische Leinenproduktion in Tönen aufleben. Es ist eine Hommage an eine vergangene Epoche, die Sänger Andy noch als Angestellter einer Weberei miterlebte. Heute ist er von Beruf Pfarrer, zupft und schlägt mit grossem Können seine Gitarrensaiten. Das Konzert hat gerade erst begonnen, doch es scheint, als befinde man sich in einer anderen Zeit, an einem anderen Ort. Die Musik entführt, malt Stimmungen und erzählt von Dingen, die über die Töne hinausgehen.

Überschäumende Freude…

Instrumentale Freudenmomente erinnern immer wieder daran, dass Irish-Folk in erster Linie Tanzmusik war und ist. Die Füsse der jüngeren Konzertbesucher, die sich für einen Platz oben auf der Galerie entschieden haben, treten unentwegt im Takt. Auch unten im Saal bleibt kaum eine Handfläche untätig, wenn es rhythmisch zu Sache geht. Und das ist meist auch noch dann der Fall, wenn die Band mit einem Augenzwinkern angekündigt hat, das nächste Stück werde „etwas ruhiger“ werden.

…und trauriges Leid

Nach dem Country-Klassiker „Hard times come again no more“ erfährt das Publikum einiges über die Zeit des “great famine” ab 1845, der schwersten Hungersnot in Irland. Etwa 1 Million Iren starben in dieser Zeit. Weitere 2 Millionen flüchteten in andere Länder. Die gälisch gesungene Ballade geht unter die Haut. Weitab unfassbarer Zahlen, schildert sie die Not einer einzelnen Mutter. Ihr Mädchen starb, bevor es getauft wurde. Ein ordentliches Friedhofsbegräbnis ist nach dem damals geltenden Kirchengesetz unmöglich. So findet das Leben des kleinen Engels irgendwo auf einem wilden „Friedhof der Kinder“ seine letzte Stätte. Wie konnten menschlich-religiöse Regeln nur so lieblos werden, wenn doch Gott so voll Liebe ist?

Hoffnung als roter Faden

Man spürt der Band immer wieder ab, wie alltäglich und wichtig ihnen der Glaube an den dreieinigen Gott ist. Der Bandname Slemish weist zurück auf eine prägende Zeit im Leben St. Patricks. Auf dem Berg Slemish erinnert er sich unter traurigen Bedingungen als verschleppter und versklavter Jugendlicher an seinen Kinderglauben. Er erlebt, dass er Gott jederzeit vertrauen kann. Diese not-wendende Hoffnung leuchtet als roter Faden immer wieder in den folgenden Songs auf. Ein Höhepunkt dabei eine irische Version des Psalms 23 „The Lord is my shepherd“.

Sehr persönlich

Hoffnungsvoll wirkt auch die sehr persönliche Geschichte von Kevin, dem Flötenvirtuosen der Band. Als Jugendlicher entgleitet ihm, was er als Kind einmal in der Kirche gehört hatte. Eine Odyssee auf der Suche nach mehr Erfüllung im Leben beginnt, nachdem er in der Partykultur nicht findet, was er sich eigentlich wünscht. Kurz bevor er sich den Hare Krishna anschliessen will, fühlt er sich in einem dänischen Gottesdienst sehr angesprochen. Dabei hat er mangels Sprachkenntnissen kaum ein Wort verstanden. Er beginnt sich wieder mit dem christlichen Glauben zu beschäftigen. Das wird der Schlüssel zur Wende. Er spürt, wie aus der wiedergefundenen Beziehung mit Gott die eigentliche Kraft zu liebevollen Beziehungen kommt. Was der Egotrip nicht brachte – mehr Erfüllung – findet er heute in der Gemeinschaft unter Christen.

Fortsetzung?

Gefühlt zu früh heisst es irgendwann: „Das ist das letzte Stück“. Kein einfaches Unterfangen, wenn das Publikum derart begeistert bei der Sache ist. Die übliche Grenze der dritten Zugabe wird vom nicht endenden Applaus schlicht überrannt. Erst nach dem vierten Bonusstück – oder nach dem fünften? – ist definitiv Schluss. Das Bild leuchtender Augen und zufriedener Gesichter prägt den Ausklang des Abends. Eine Fortsetzung in Sachen irischer Kultur bietet sich Interessierten am kommenden Freitag an. In Form eines Lese-Bistros lädt die Freie Evangelische Gemeinde Einsiedeln im Rahmen ihrer „Doppel:punkt“-Reihe dazu ein, die autobiografischen Texte von St. Patrick hörenderweise zu entdecken.

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