Slemish – Lebensfreude in musikalischem Gewand

Man nehme sechs musikerfahrene Iren, ein geschätztes Dutzend Instrumente, fülle das Chärnehus mit einem erwartungsfrohen Konzert-Völklein mehrheitlich Einsiedler Herkunft und lasse der irischen Musik ihren Lauf. Ein durchwegs begeisternder Abend war das gefreute Ergebnis. Mit heiteren Gesichtern traten die Besucher nach der zweiten stehenden Zugabe den leider unvermeidlichen Heimweg an.

Tell me Ma

Slemish gelang es schon im ersten Song ‚Tell me Ma‘ das heimatliche Belfast im Chärnehus spürbar werden zu lassen.

Auch den Musikern schien es schwer zu fallen, ein Ende des Konzerts zu finden. Selbst nach dem offiziellen Abspann legten sie ihre Instrumente noch nicht beiseite. Irgendwie passend zum Motto des Projekts „Doppelpunkt“, in dessen Rahmen das Irish-Folk Konzert mit der Belfaster Gruppe „Slemish“ den letzten Anlass bildete. Die Freie Evangelische Gemeinde Einsiedeln bot während dieser Projektwoche verschiedene Möglichkeiten, um „anzuhalten und auf Gott zu hören“.

Die akustische und virtuose Musik von Slemish bezauberte, entführte und hinterliess dennoch das Gefühl, dass bodenständigere Musik kaum möglich sei. So wurde mitgeklatscht, mitgesungen, mitgestampft, bis sich die Ohren wieder auf die leisen, hauchigen Whistle-Klänge konzentrieren mussten. Das vielfältige Konzert wartete mit immer neuen Überraschungen auf. Kaum hatte man sich daran gewöhnt, wer welches Instrument meisterlich beherrscht, wechselten Gitarren, Mandoline, Tinwhistles und Solomikrofon wieder die Plätze. Dass nebenbei auch staubtrockener irischer Humor fest zur Folk-Musik gehört, sorgte für viel gute Laune.

Andrew und Kevin

Ein Genuss, die Musiker Andrew und Kevin (v.l.), Nigel, Bert, Davy und Andy (nicht im Bild) von Slemish im Element zu sehen.

Auch ruhige und bewegende Momente waren Teil des authentischen Abends. Zur Bedeutung des Bandnamens „Slemish“ erfuhr man einiges über die Entstehung der christlichen Kirche in Irland im 5. Jahrhundert. Saint Patrick, ein von Piraten verschleppter 16-Jähriger, suchte auf dem gleichnamigen Berg in Nordirland Gottes Hilfe und prägte Irland später nachhaltig mit einem ansteckenden Glauben. Dass auch Slemish zum Glauben anstecken kann, wurde in einem spannenden Kurzbericht aus dem Leben von Bert, einem der Gitarristen, deutlich. Seine Lebensgeschichte vom fluchenden Vieltrinker auf See zum gottbegeisterten Sänger liess ahnen, dass die musikalisch spürbare Lebensfreude der Band wohl in ihrer Freude an Gott ankern muss. Ob es gelingt, die Band ein zweites Mal für eine Schweizer Tournee zu gewinnen, ist noch offen. Tourbegleiterin Sarah Wagner liess aber verlauten, dass eine konkrete Anfrage für 2017 deponiert sei.

Samuel Rath

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